[Kulturtransport] Kritiken: Albert Lee 'Sondergastspiel'

 

13. April 2007:
Albert Lee Lee und Hogan’s Heroes »SONDERGASTSPIEL«

'Bremervörder/Südkreis Anzeiger' vom 22. April 2007
Fulminantes Rockkonzert
erster Güte in Frelsdorf
Albert Lee und Hogan’s Heroes zu Gast

Von Jürgen Peters

Frelsdorf. »Zufall«, so Carsten Bostelmann auf die Frage, wie er es geschafft habe, eine Rockgröße wie Albert Lee nach Frelsdorf zu holen. Doch natürlich steckt noch ein wenig mehr dahinter, so Bostelmanns exzellente Verbindungen in die Musikszene. Ein paar Mails zwischen Rom und Deutschland, ein freier Termin zwischen Auftritten in Berlin und Hannover, so kamen Lee und die Hogan’s Heroes in das ehemalige Bahnhofsgebäude und boten den Zuschauern ein Rockkonzert vom Feinsten.


Seit 47 Jahren ist der 1943 in England geborene und aufgewachsene Lee im Geschäft, er spielte jahrelang mit Größen wie Chris Farlowe, Joe Cocker, Emmylou Harris, Ex-Rolling-Stone Bill Wyman und Eric Clapton zusammen, nahm an Aufnahmen mit Jerry Lee Lewis teil und trat zusammen mit den Crickets auf, der ehemaligen Band von Buddy Holly. 2002 nahm er am Gedenkkonzert für George Harrison in der Londoner Royal Albert Hall teil, das Magazin »Guitar Player« wählte ihn in den siebziger Jahren fünfmal hintereinander zum besten Country-Gitarristen.

Seit nunmehr 20 Jahren tourt der in Kalifornien lebende Lee regelmäßig mit Hogan’s Heroes durch die Welt. Deren Gründer Gerry Hogan ist ein ausgezeichneter Steel-Gitarrist und spielte schon zusammen mit Willie Nelson und Lonnie Donegan. In Frelsdorf waren viele Musiker aus der Region unter den Gästen, auch wenn Lee vielleicht nicht die Popularität mancher seiner Weggefährten besitzt, ist er in der Szene offensichtlich ein Begriff. Versprochen war in der Ankündigung ein »musikalischer Genuss erster Güte«, mit der »authentische Atmosphäre der frühen Rock'n'Roll-Zeit: Locker, rockig, bluesig und immer live«. Das war nicht übertrieben, die Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten, die Band bot besten Country Rock. Ein ganz besonderer Leckerbissen dabei Lees Version vom »Country Boy«, bevor mit dem Titelsong der aktuellen CD »Tear It Up« der fulminante Auftritt der fünf Musiker beendet wurde.
Schön wäre es, wenn es Veranstalter Carsten Bostelmann und seinem »Kulturtransport« gelingen würde, häufiger solche Highlights aufs platte Land zu bekommen. Ob aus Zufall oder mit voller (guter) Absicht, wäre dabei eher nebensächlich.

Country-Rocker Albert Lee. (Foto: jwp)
Seit 47 Jahren auf den Bühnen dieser Welt zu Hause: Country-Rocker Albert Lee.
(Foto: jwp)
 
 
'SONNTAGSJOURNAL' vom 22. April 2007
Albert Lee und Hogan’s Heroes... - Foto: ens
Albert Lee und Hogan’s Heroes heizten den Gästen in
Frelsdorf mächtig ein. - Foto: gbm

Handgemachte Musik begeistert
Gitarrist Albert Lee zieht in Frelsdorf das Publikum in seinen Bann

Frelsdorf (gbm). Sie kamen, sahen und siegten. Albert Lee und »Hogan’s Heroes« überzeugten und begeisterten nicht nur an diesem Freitagabend in Frelsdorf, sie schrieben Rock'n'Roll-Geschichte. Das ursprünglich für Regensburg angesetzte Konzert des Engländers fiel wegen Differenzen mit dem Veranstalter aus, und durch den Cuxhavener Musiker Lutz Lagemann (»Slow Horses«) kam der Kontakt mit dem »Kulturtransport e.V.« zustande.
   Albert Lee, an dem der große kommerzielle Erfolg in den 70ern vorüber ging weil er die lautstarke Ära der Kollegen wie »Cream«, »Blue Cheer« und anderer Kollegen nicht mitmachte, zog es in die USA wo er fast jede Country- und Rock'n'Roll-Produktion als Studiomusiker einspielte und Top Acts wie, beispielsweise, Emmylou Harris oder die Everly Brothers begleitete. 1987 wieder in seiner Heimat trat er mit Gerry Hogan und Band zusammen bei einem Festival in Newbury auf, das Konzert wurde ein überwältigender Erfolg, ihm war klar, mit diesen Jungs wollte er touren.


   Von Beginn an ließ der weißhaarige Mann an der knallig roten »Music Man« Gitarre keinen Zweifel aufkommen, er gehört immer noch zu den besten der Welt, und zu ihm passt keine perfektere Band als die Mannen um Gerry Hogan, den Pedal Steeler. Aber auch am Piano rockte er wie Jerry Lee Lewis, der »Killer« persönlich, während der Mann am Klavier, Elio Pace, erst seit kurzem dabei, seine Späße mit ihm trieb.
Deutlich wurde, jeder Musiker dort auf der Bühne respektierte den anderen, wusste, was der als nächstes tun würde, und nur so und mit dieser Disziplin war es möglich, dass, gepaart mit Spielfreude und Witz eine geballte Ladung losgelassener Laune unter dem Publikum verteilt wurde. Deutlich wurde ebenfalls, diese Band kennt keinen »schlechten« Tag.
Bei der Richard und Linda Thompson Ballade »Dimming of the Day«, die Lee am Klavier sang, hätte eine fallende Stecknadel einen ohrenbetäubenden Lärm verursacht.
   Wusste man nicht, dass der Frontmann gleichzeitig das Aushängeschild dieser faszinierenden Formation ist, die Rollen waren so gut verteilt, niemand hätte es bemerkt. Natürlich durften Hits wie »Country Boy« und »One Way Rider« nicht fehlen, aber es gab genügend Momente, da konnte Musik nicht mehr in Worte gefasst werden, und hätten da keine Köpfe bei den Zuhörern auf den Schultern gesessen, das Herz wäre sicher manchem vor Begeisterung herausgesprungen. Eine unglaubliche Stimmung.
   Da störte es niemanden, dass vorwiegend Coverversionen angeboten wurden, hatte doch jede ein absolut eigenes Arrangement. Immer wieder variabel, immer wieder begeisternd. Wenn auch ein paar mehr Zuschauer den Laden knackig voll gemacht hätten, war es erfreulich zu beobachten, dass viele junge Leute, vor allem Musiker den Weg nach Frelsdorf gefunden hatten, um die Legende zu erleben.
   Direkt, ehrlich, gerade, der Begriff Rock'n'Roll wurde zwar nicht neu definiert, aber er erhielt an diesem Abend eine ganz besondere Auszeichnung.

 
 
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