[Kulturtransport] Kritiken: Alvaro Solar 'Ibericus'

 

13. März 2004:
Alvaro Solar »Ibericus – nicht alle Wege führen nach Rom«

'NORDSEE-ZEITUNG' vom 17. März 2004
Der flinke Römer in der Arena
Alvaro Solar erzählt eine antike Geschichte und spielt alle Rollen selbst

Von unserem Mitarbeiter Georg Ahrens
 
Alvaro Solar - Foto: AhrensFrelsdorf Ibericus, der Musiker aus einem spanischen Dorf, will nach Rom. Um jeden Preis. Dort möchte er in der Arena vor Tausenden von Menschen musizieren, so sein Traum. Aber nicht alle Wege führen nach Rom.
   Dieser führte ihn direkt nach Germanien, genauer nach Frelsdorf in Bostelmanns Saal, vor immerhin gut 100 Menschen. Der großartige Schauspieler, Musiker und Tänzer Alvaro Solar, gewöhnt an große Bühnen und viel Publikum, war in die Provinz hinabgestiegen, um den kühlen Norddeutschen kräftig einzuheizen. Es gelang ihm mühelos.
   Seine Geschichte spielt 80 nach Christus. Rom ist das Zentrum der Welt, die zu dieser Zeit natürlich noch eine Scheibe ist. Der hochtalentierte, aber etwas naive Ibericus erzählt »zweieinhalb Stunden, bevor mich die Löwen fressen sollen«, aus seinem kurzen, aber bewegten Leben. Damit er römischer Musikant werden kann, muss er jedoch erst mal Sklave sein oder Legionär. Er lernt Bula Felix kennen, den gefährlichsten Rebellen seiner Zeit, schließt sich freiwillig den Piraten an und meldet sich schließlich als Legionär. Denn wenn er fünf Jahre dabei ist, wird er automatisch zum Römer.
   Bei den Germanen wird seine Einheit massakriert, die riesige, vollbusige, blonde und blauäugige Gudrun versklavt den kleinen Ibericus erneut, nur auf etwas angenehmere Art. Schließlich kommt er doch noch nach Rom: In der Arena warten viele tausend Menschen. Doch die wollen ihn nicht musizieren hören, sondern zusehen, wie er von den Löwen gefressen wird.

Mannstolles Töchterlein

   Was Alvaro Solar da in 90 Minuten abliefert, ist wohl kaum zu überbieten. Er ist in atemberaubender Folge oder auch zeitgleich der römische Impresario Lucius Trabiculus, Thorgild der Germane, aber auch Gudrun, dessen manntolles Töchterlein. Und er ist der Wind und »drei Schweine« oder »viele Römer«, er macht sich mit Hilfe der Elektronik selbst zur vielstimmigen Rhythmusgruppe.
   Dazwischen wird geschrien, gelacht, geweint, gesungen, gewimmert oder betroffen geschwiegen. Wenn jemand glaubt, irgendwann müsse dem Mann die Luft ausgehen, zeigt er noch mal eben einen beeindruckenden Flamenco.
   Ein größeres Publikum als in Bostelmanns Saal hätte vielleicht lauter klatschen können, wäre aber sicher nicht weniger begeistert gewesen. Alvaro Solar mag klein sein von Gestalt, aber er ist ein ganz Großer seines Fachs.
 

 
 
'Bremervörder/Südkreis Anzeiger' vom 21. März 2004
Musikstar als Löwenfraß
Kulturtransport präsentiert historische Komödie

Alvaro Solar ist Ibericus - ein Spanier auf dem Weg nach Rom (Foto: jwp)
Alvaro Solar ist Ibericus - ein Spanier
auf dem Weg nach Rom (Foto: jwp)

Freisdorf (jwp). In einem Verlies im Kolosseum von Rom blickt das geniale spanische Musiktalent Ibericus zurück auf den Weg, der ihn in diesen Kerker führte. Er hat nur noch kurze Zeit zu leben, in zwei Stunden soll er den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden. Mit der historischen Komödie »Ibericus – nicht alle Wege führen nach Rom« gastierte der in Bremen lebende Künstler Alvaro Solar auf Bostelmanns Saal in Frelsdorf. Veranstalter war der Verein Kulturtransport, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kunstformen zu präsentieren, die in der Provinz nicht täglich zu erleben sind.
In einem ihm auf den Leib geschriebenen und musikalisch unterfütterten Monolog erzählt Solar die Geschichte einer unglaublichen Reise in das Herz des römischen Imperiums. Genau im Jahr 80 nach Christus beschloss Ibericus, in Rom berühmt zu werden. Im Zentrum der Welt will er vor Tausenden von Menschen musizieren.
Aber der Weg nach Rom erweist sich als dornig. Zunächst will und muss er Sklave werden, um dann später als Freigelassener Karriere machen zu können. Dazu schließt er sich am heimischen Strand freiwillig Piraten an, landet aber nicht in Rom, sondern auf einem internationalen Sklavenmarkt im griechischen Delos. Von dort führt ihn ein an Abenteuern reicher Weg über Nordafrika nach Dalmatien und Germanien.
Als Freigelassener wird er nicht ganz freiwillig Legionär und am Rhein stationiert, um die Pax Romana, den römischen Frieden zu sichern. Seine Legion wird von den dort lebenden blutrünstigen Barbaren dahingemetzelt, er selber wieder Sklave und Liebhaber einer großen, blonden Walküre namens Gudrun. Nach vielen Irrungen und Wirrungen landet er schließlich in Rom, als Gefangener und Festmahl für die Löwen in der Arena.
 

»Jetzt muss ich da raus, in das größte Theater der Welt. Meint ihr, dass mir die Musik meinen A... retten wird? Panem et Circenses, Brot und Spiele. Und ich bin das Brot.«
Solar lacht, jammert, schimpft, flüstert und singt, bedient Gitarre, Trommel und Schellen. Mal laut und vulgär, mal leise und nachdenklich. Er ist ein Mime von Format, vermag mit Gesten, Grimassen und einer ausdrucksvollen Körpersprache Empfindungen, Gefühle und Emotionen auszudrücken. Dazu erzeugt er eine Vielzahl von Geräuschen und stellt die unzähligen Kampfhandlungen in der Comic-Sprache dar: »Tschack! Wamm! Bamm!«
Der mit sichtlicher Hingabe agierende Künstler besticht in seiner »Ein-Mann-Show« durch seine Verwandlungsfähigkeit und Vielseitigkeit. Er schlüpft in die unterschiedlichsten Rollen und wirbelt hin und her zwischen Zenturio, Rebell, Walküre oder Zesar, dem bösartigen Hund seiner Geliebten. Als tragischer Held hetzt er seinem Traum hinterher und erlebt dabei die Welt als eine oft feindliche und zutiefst gewalttätige Stätte.
Anspielungen auf die heutige Rolle der USA im Zusammenleben der Völker sind nicht zu übersehen. Aber auch andere bekommen »ihr Fett weg«, der gebürtige Chilene ist ein kritischer und genauer Beobachter seiner Umwelt. Das Publikum war begeistert. Lachsalven und spontaner Szenenapplaus begleiteten den Künstler durch das gesamte Stück. Und zum Schluss bekam der von Solar perfekt verkörperte Ibericus das, was er eigentlich in Rom gesucht hatte: Ovationen für seinen Auftritt.
 

 
 
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