[Kulturtransport] Kritiken: F. De Martin 'Guckt ja keiner...'

 

21. Oktober 2000:
Francesca De Martin »Guckt ja keiner...«

'Bremervörder Zeitung' vom 27. Oktober 2000
Temperamentvoll und schlagfertig: Francesca de Martin am vergangenen Sonnabend in Frelsdorf - Fotos: Bremervörder Zeitung/Holtz
Hoffnungslos verliebt in den Geldautomaten
Die Kabarettistin Francesca de Martin gastierte am
vergangenen Sonnabend auf Bostelmanns Saal in Frelsdorf

Frelsdorf (gh). Auf der kleinen Bühne in Bostelmanns Saal in Frelsdorf an der Bahnhofstraße gastierte am vergangenen Wochenende die aus Italien stammende Kabarettistin Francesca de Martin mit ihrem etwa zweistündigen Programm "Guckt ja keiner...". Dabei gelang es der temperamentvollen, zierlichen und schlagfertigen Künstlerin mühelos, den weiten Spannungsbogen über die gesamte Dauer aufrecht zu erhalten.

Nichts und niemand war vor ihren treffenden, jedoch niemals bösartigen kabarettistischen Attacken sicher. War es zunächst die nach ihrer Aussage gerade verstorbene Großmutter, mit der Francesca fast immer in Streit gelebt hat, die von ihrer Enkelin unter anderem wegen der Unfähigkeit fernzusehen kräftig durchgeschüttelt wurde. So waren es später die Männer ihrer Familie, dann die Männer allgemein, aber auch die Frauen und nicht zuletzt sie selbst, worüber sie sich lustig machte.
Sehr komisch war sie bei der Imitation der rasanten italienischen Sprechweise ihrer Großmutter und in der Erzählung vom elenden Sterben der männlichen Mitglieder ihrer Familie, die alle erstickt sind, jedenfalls in Francescas Kabarettprogramm. Auch konnte man lernen, dass alle italienischen Liebeslieder gleich sind: Sie fangen ganz leise an und enden mit Gebrüll. Lautstarken, wohl auch nicht ungewollten Widerspruch erntete Francesca, als sie behauptete, deutsche Männer könnten nicht Busengucken.
Aber die Protestierer hätten wohl besser geschwiegen, denn Francesca de Martin wusste sie eloquent und gekonnt in ihre Grenzen zu weisen. Aber auch die deutsche Frau, die nur all zu gern ihre Nachteile hervorhebt, war der Italienerin ein Dorn im Auge.
Zu Höchstform lief die Künstlerin auf, als sie ihre Männerbekanntschaften wie die mit dem blauäugigen Karl schilderte. Er bestellte bei ihr nur eine Pizza Broccoli, aber Oma empfahl ihrer Enkelin eine Pizza Aphrodisiaca. Herrlich wie sie sich zunächst ein Achselhaar und dann auf offener Bühne mit dem Rücken zum Publikum ein Schamhaar für dieses Gericht ausriss, ohne auch nur im entferntesten ordinär zu wirken. Es war einfach nur im besten Sinne komisch.
Als aber alle Männerbekanntschaften nicht von Dauer waren, empfahl Oma aus dem Jenseits den Geldautomaten, in den sich Francesca dann auch prompt verliebte. Allerdings hat sie seitdem keine ruhige Minute mehr. Wie sie das meisterte zeigte sie in ihrer Schlusssequenz. Begeisterter Beifall für eine Energie- und Darstellungsleistung.
 

 
 
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