[Kulturtransport] Kritiken: Der Kontrabass von P. Süskind mit Volker Lippmann

 

11. Dezember 2004:
»Der Kontrabass« von Patrick Süskind mit Volker Lippmann

'NORDSEE-ZEITUNG' vom 13. Dezember 2004
Den Kontrabass geknutscht
Patrick Süskinds beliebtes Solo mit Volker Lippmann in Frelsdorf

Von unserem Mitarbeiter Georg Ahrens
 
Frelsdorf Was mag das Besondere sein an Bostelmanns Saal in Frelsdorf? Es ist das sicher gewöhnungsbedürftige, aber charmante Dorfgasthausambiente mit der unverkleideten Spanplattenbühne und dem harten Gestühl. Und die Tatsache, dass es den Organisatoren immer wieder gelingt, hochkarätige Künstler zu engagieren.
   Muss dazu aber auch, ein Novum in der Kleinkunstszene, die meist »gleitende Anfangszeit« gehören? Sie sorgt oft für verhaltenen Ärger, denn viele Besucher kommen nicht zum Klönen und Rotweintrinken, sondern um das Programm zu sehen. Wenn Veranstalter Carsten Bostelmann sie dann noch 20 Minuten warten lässt, ehe er ohne Entschuldigung verkündet, dass es jetzt losgehe, ist dies einfach unhöflich. Daran sollte dringend gearbeitet werden.
   Diesmal stand Patrick Süskinds beliebtes Solo »Der Kontrabass« von Patrick Süskind auf dem Programm. Mit Volker Lippmann, dem gefragten Theater- und Fernsehschauspieler und Regisseur, der seit 2001 sein eigenes »Theater Tiefrot« in Köln betreibt.
   Im roten Morgenmantel schimpft der Orchester-Bassist vom dritten Pult: »Der Kontrabass ist das scheußlichste, plumpste, uneleganteste Instrument das je erfunden wurde«. Er ginge im Orchester zwar völlig unter, sei aber durch seine sperrige Form eine ständige Behinderung. »Nein, dass ich ihn liebe, kann ich wahrhaftig nicht sagen«. Mehr verliebt ist er in Sarah, die junge Sopranistin. Da es jedoch kein Duett für Sopran und Kontrabass gibt, hat seine Liebe eher keine Zukunft.

Wieder einen Schluck

Hassliebe: Der Bassist (Volker Lippmann) und sein Instrument - Foto: ens   Die Zuschauer erleben einen absoluten Profi mit zwei, drei kleinen Versprechern im 60-minütigen Monolog. Lippman schreit und weint, springt auf den Stuhl und auf den Boden, schwärmt von der Angebeteten Sarah, um sie im nächsten Moment zu verfluchen, und nimmt immer mal wieder einen Schluck, »weil ich so einen hohen Flüssigkeitsverlust habe«.
   Zuletzt knutscht er im verzweifelten Liebeswahn den ungeliebten Kontrabass, in dem er Sarahs breite Hüften und schmale Taille zu erkennen glaubt. Dann geht er ab im schwarzen Anzug, zur Arbeit in die Oper. Dort wird er heute laut »Sarah« schreien, hat er sich fest vorgenommen. Dann endlich wird man ihn wahrnehmen, den Bassisten vom dritten Pult, und die Geliebte wird ihn erhören.
   Oder nicht? Oder doch? Vielleicht wird er auch nur gefeuert? Die Frage bleibt offen wie die Anfangszeiten in Bostelmanns Saal.
 

 
 
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