[Kulturtransport] Kritiken: Patricia Salas u. Band

 

27. April 2002:
Patricia Salas & Band

Latino-Klänge auf dem platten Land
Chilenin Patricia Salas singt vom kleinen Indianerjungen, dem Torero und vom Karneval

Von unserem Mitarbeiter Georg Ahrens
 
Frelsdorf (Samtgemeinde Beverstedt). Bei einer Kulturveranstaltung »Auf dem Saal« denkt man unwillkürlich an plattdeutsches Laienspieltheater und Sängerfeste. Warum es »auf« und nicht »im« Saal heißt, weiß auch keiner so genau, so sagt man eben hier. Wer dermaßen klischeebehaftet den Weg nach Frelsdorf, vorbei an weidenden Rindern und grünen Wiesen, gefunden hatte, der erlebte eine Überraschung. Der Verein Kulturtransport hatte mit Patricia Salas & Band den Versuch gewagt, Latin Music in die norddeutsche Tiefebene zu transportieren.
Patricia Salas hat die Zuhörer in Frelsdorf begeistert.   Die Reaktion des Publikums? Ungewiss. »Auf Bostelmanns Saal« sieht es genau so aus, wie sich der Städter das vorstellt. Das Gestühl ist knallhart, keine überflüssige Dekoration, die ablenken könnte und statt einer Bühne gibt es ein niedriges Podest. In einer Ecke werden Getränke verkauft, es riecht nach Rotwein, aber auch nach Pfefferminztee. Nachdem endlich die letzten Leute Platz genommen haben, geht es los. Patricia Salas, Andreas Hecht (Gitarre) und Tim Swan (Percussion) tasten sich vor.
   Eine musikalische Reise durch Südamerika haben sie versprochen und beginnen mit »Pajaro Chogui«, dem Lied von dem kleinen Indianerjungen, der von einem Baum fiel und zu Tode stürzte. Nun ist er in einen Vogel verwandelt und fliegt jeden Tag um sein Haus herum. Patricia Salas singt mit einer vollen, weichen Stimme und geschlossenen Augen, und der Beifall nach dem ersten Stück zeigt: Das Publikum mag sie. Aber dann wird es lebhaft, es folgt ein wahres Feuerwerk von Latinjazz, Latinpop, Cha Cha Cha und Rumba. Der Aufforderung zum Tanzen will zwar niemand nachkommen, aber immerhin wippt alles mit den Füßen.

Nur Augen für den Stier

   Zu hören ist das Lied vom Torero, der nur Augen für den Stier hat und dem die Geliebte dann schnuppe ist. Oder »Manha de Carneval«, bei dem noch der Rest der Fröhlichkeit zu spüren ist, sich aber eine Katerstimmung breit macht. Mit »Les Muchachos« und »La Cucaraca« geht dann wieder die Post ab.
   Es folgt das bekannte »Que Sera« und das stimmungsvolle »Maria va«, womit das Trio dann auch die Zielgerade erreicht. Mit »La Galopera« und »Pajero Campana« und einem großartigen Gitarrensolo von Andreas Hecht sollte eigentlich Schluss sein, aber daraus wurde nichts. Eine Zugabe folgte der anderen. Und bevor die Hörer das Parkett von Bostelmanns Saal vor Begeisterung zertrampeln konnten, zog Patricia Salas die Notbremse. Sie sang, überhaupt nicht zu dem bisherigen Programm passend, das »Ave Maria« von Bach-Gounod. Nun herrschte endlich Ruhe.
 

 
 
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