[Kulturtransport] Kritiken: Trude träumt von Afrika

 

1. Juni 2002:
Trude träumt von Afrika

'Bremervörder Anzeiger am Sonntag' vom 9. Juni 2002
Das Truden-Quartett in Aktion. Das Publikum will die Damen gar nicht wieder gehen lassen. - Foto: Anzeiger am Sonntag
Trutschiges Trommelkabarett
Afrikanische Rhythmen begeistern in Frelsdorf

Frelsdorf (bp). Einen Comedyabend der Extraklasse erlebten am vergangenen Wochenende zahlreiche Gäste in Bostelmanns Saal in Frelsdorf. Vier Hanseatinnen träumten stimmgewaltig und trommelnd von Afrika und brachten die Zuschauer so richtig in Schwingung.
Den vier Damen, die nach eigenem Bekunden ihr musikalisches Talent beim Kaffeeklatsch entdeckt, daraufhin ihre Blockflöten beiseite gelegt und durch Trommeln ersetzt haben, gelang es auf Anhieb das Frelsdorfer Publikum mitzureißen. Ihr eigenwilliges Outfit, bestehend aus grausamen Blumenkleidem, Handtaschen und riesigen Perlenketten sorgte für einen Augenschmaus der besonderen Art. Als Aufwärmung für das Publikum gedachte Klatschübungen waren eigentlich gar nicht notwendig, denn die Gäste wurden sofort von den pulsierenden Trommelrhythmen in den Bann gezogen. Abwechselnd sorgten afrikanischer Gesang und deutsche Schlager wie "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" dafür, dass die wunderbaren Stimmen der vier Damen zur vollen Geltung kamen.
Mathilde, Agathe, Erna und Cäcilie beherrschten allerdings nicht nur die westafrikanischen Djembe-Trommeln, sondern konnten auch banale Küchengeräte wie Kochtopf und Gemüsereibe virtuos bearbeiten.
So hielt es auch die wenigen Besucher, die einen Sitzplatz ergattert hatten nicht mehr lange ruhig auf ihren Stühlen. Der ganze Saal pulsierte im Rhythmus der Instrumente. Zwischendurch sorgte jede Menge Klamauk für Lacher. Ob die vier nun den Ballettunterricht ihrer Kindheit auffrischten oder von ihren Erfahrungen bei der Heilsarmee berichteten - das Publikum dankte mit langanhaltendem Applaus. Die täuschend echte Simulation eines Plattenspielers mit all seinen Tücken weckte bei so manchem Gast Erinnerungen an die alten Vinylscheiben. Bei all dieser Vielfalt ihres Programms durften sich die vier Frauen also nicht Wundern, dass mehrfach Zugaben vom Publikum eingefordert wurden. So bekamen sie noch eine schrille Tanzperformance mit Hilfe von Gehstöcken zu sehen. Veranstalter Carsten Bostelmann fiel die Verabschiedung des Quartetts dann nach zweistündigem Programm auch sichtlich schwer. Doch mit dem Verweis auf weitere Veranstaltungen in seinem Saal machte er es sich und dem Publikum leichter. So können sich kulturbegeisterte Menschen spätestens ab August auf Abende wie diesen freuen.
 




 
Hanseatisches Trommelfeuer
Bei Trudes rhythmischem Kabarett gibt es in Frelsdorf kein Halten

Die Trommeltruden proben den Stocktanz des Seniorenkreises.Frelsdorf. "Trude träumt von Afrika". Diesmal in Bostelmanns überfülltem Saal. Vier zeitlos modisch gekleidete Damen betreten die Bühne. Zum geblümten Kleid das passende Hütchen, die Schuhe gern mit dekorativer Schleife. Erna (Eva Rossberg) ist "La Conférenciere magnifique". "Das ist ja enorm, wie viele ihr seid", begrüßt sie das Publikum in breitem Hamburger Fischmarktslang. "Wir hatten gedacht: Frelsdorf? Na ja."
Sie klemmt sich zusammen mit Agathe (Anke Hundius) und Mathilde (Annette Kayser) die Trommeln zwischen die Beine. Cäcilie (Gunhild Wolf) bedient die Basstrommel. Dann starten die trutschigen Hanseatinnen ein Feuerwerk afrikanischer Rhythmen, dass die falschen Perlen fliegen. Die Hörer geraten aus dem Häuschen, die ersten sind dem Hörsturz nahe. "Aus Sicherheitsgründen sollten sie die ersten fünf Reihen räumen", hatte Erna gewarnt, bevor sie eingestand, "wir sind keine echten Afrikanerinnen, wir stammen von der Blockflöte ab".
in der Küche hat alles angefangen: "Kochtöpfe, Waschschüssel und Reibeisen mussten herhalten, und nun haben wir sie einfach gegen Trommeln ausgetauscht", sagt Erna. Sie singen: "Es kam über uns wie Naturgewalten. Da gab es kein Halten". Die Wahrheit: Sie hatten lange Jahre Trommelunterricht bei afrikanischen und deutschen Lehrern, sie treten seid zehn Jahren gemeinsam auf, und sie beherrschen die Instrumente mit unglaublicher Perfektion.

In der Rolle des Schwans

Dann meint Agathe, dass sie für diesen Klamauk hier völlig überqualifiziert sei. Ursprünglich stamme sie vom klassischen Ballett, und so tanzt sie nun mit Erna ein umwerfendes Pas de deux aus "Schwanensee". Nachdem sich im Publikum der Lachkrampf wieder gelöst hat, wird bekannt, dass Agathe aus der Rolle des Schwans immer nur schwer wieder herausfindet. "Einmal hat es Tage gedauert. Es kam fast zur Eiablage", weiß Erna. "Überall in der Wohnung lagen Stöckchen zum Nestbau. Aber so bin ich endlich mal mein altes Brot losgeworden". Sie haben sich die Finger wund getrommelt, zwei Stunden sind vorüber und sie sagen "Man will hier doch einfach nur mal wieder raus." Als Zugabe bringen sie noch die Aufführung der "Stocktanzgruppe" aus dem Seniorenkreis, um sich dann ermattet in die "Abkühlphase" zu trommeln. Mathilde nimmt einen riesigen Schluck aus der großen 4711-Flasche, "zum Abtörnen", und dann ist der Traum von Afrika in Frelsdorf auch wirklich ausgeträumt.
 

 
 
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